Anfang
des Jahrzehnts schrieben wir
folgendes:
Die
Stücke auf dieser Seite sind
Übungsraumaufnahmen, abgemischt und gemastert auf einem
uralt-PC (PI
266, 64MB EDO). Das Ziel war, nicht nur auf den Besuch eines
Studuios, sondern auch auf kostpieliges Equipment zu verzichten.
Letzteres bedeutet vor allem um die Anschaffung einer (immer noch
etschieden zu teuren) Mehrspursoundkarte herum zu kommen, ohne auf
die Vorteile der Mehrspuraufnahmetechnik zu verzichten.
Die
Lösung besteht im gleichzeitigen
Betrieb mehrerer Soundkarten in einem System.
Die
üblichen Probleme dieser Methode
bestehen darin, daß einerseits verschiedene Soundkarten nicht
unbedingt synchron laufen und andererseits die üblichen
Audiosequenzer meist nur eine Soundkarte ansprechen.
Das
ertse Problem lässt sich durch die
richtige Wahl der Karten lösen. Nach unserer Erfahrung
scheinen die
orginal Soundblaster von Creativ Labs auch in verschiedenen
Kartengenerationen mit identischen Taktgebern bestückt zu
sein. In
unserem Fall arbeiteten eine Soundblaster PCI128 (gibts noch immer
für ca. 20 Euro im Laden) und eine Soundblaster AWE 32
für den
ISA-Bus (hat wohl jeder noch rumliegen, sonst Flohmarkt) auf Anhieb
zusammen. Auch die Installation machte keinen Ärger. Ob mehr
als
zwei Karten gehen, dürfte von der Zahl der freien
Steckplätze
(Vorteil der alten ISA-Karten!) und der freien Interupts auf eurem
System abhängen.
Die
Lösung des zweiten Problems ist
Cool Edit Pro von Synrtilium. Cool Edit ein schon etwas betagtes
Programm, erlaubt für jede Spur getrennte Geräte
(seperat für
Aufnahme und Wiedergabe!) zu wählen. Desweiteren ist
derSequenzer
auch für ältere, langsame Rechner gut geeignet, da er
auf
Echtzeitfunktionen weitgehend verzichtet (die Effekte haben dennoch
eine Preview-Funktion). Selbst auf einem 486er konnten wir bis zu 8
Spuren absielen, während die 9. aufgenommen wird! Wenn man auf
den
gewohnten Sequenzer nicht verzichten mag, gäbe es noch die
Möglichkeit in Cool aufzunehmen und dann unter einem anderen
Programm zu mischen. Für letzteres reicht dann auch schon die
kostenlose Shareware-Version von Cool .
mittlerweile
haben wir weiter
rumprobiert:
Das
Problem der Kompression
Diemeisten
kostspieligen Aufnahmekarten
protzen mit einer Auflösung von 24 Bit. Das klingt
zunächst blödsinnig, schließlich
löst eine CD auch nur mit den 16
Bit auf, mit der auch eine handelsübliche, billige Soundkarte
aufnimmt. Das Problem ist, daß eine CD stets optimal
ausgesteuert
ist, d.h. ein Signal, welches häufig, an den lauteren Stellen,
den
Lautstärkepegel von 0 dB erreicht, diesen aber nie
überschreitet,
nutzt den Auflösungsbereich von 16 Bit voll aus und dies wird
vom
Gehöhr als gute Qualität emfunden.
Wenn
ein Signal jedoch in der
Lautstärke extrem schwankt, wie es bei Musikaufnahmen stets
der Fall
ist, bleiben uns nur zwei Möglichkeiten:
-
Wir
steuern die Aufnahme so aus, wie man es von Cassettenrecordern oder
Bandmaschienen gewohnt ist: Standartmässig bewegt sich der
Pegel knapp unterhalb der 0 dB-Grenzen, während kurzzeitige
Pegelspitzen in den „roten Bereich“ gehen. Giese
Vorgehensweise war optimal für Bandaufnahnen, da das
Magnetband die Maximallautstärke sanft begrenzte und die
geringen Verzerrungen als harmonisch empfunden werden.
Anders
die A(nalog) / D(igital)-Wandler der Soundkarten (oder anderer
digitaler Aufnahmegeräte): Jede Püberschreitung der 0
dB-Grenze, jede Übersteuerung, führt sofort zu
hartem, unangenehmen Verzerren.
Bleibt
noch die zweite Möglichkeit:
-
Wir
steuern so aus, daß auch noch die lautetsten Pegelspitzen
unterhalb von 0 dB bleiben. Das Signal, daß wir eigentlich
aufnehmen wollen, wird sich dann bei, sagen wir mal, -6 dB bis
– 9 dB bewegen. Damit nutzen wir aber nur bei
Vollaussteuerung, also bei den gelegentlichen Pegelspitzen, die 16
Bit-Auflösung voll aus. Umso ärgerlicher
daß wir in der Regel diese Pegelspitzen, wenn wir die Musik
erst einmal auf dem Rechner haben, ohnehin mit einem Plugin
glattbügeln werden. Für unser eigentliches Nutzsignal
bleibt jetzt jedoch nur noch ein Teil der möglichen
Auflösung übrig. Wir nutzen für unsere Musik
von den 16 Bit mit denen die Soundkarte auflöst vielleicht
noch 12 Bit. Und das höhrt sich qualitativ schon anders an als
eine CD.
Die
Lösung: Kompression: Es gilt also
die lautetsten Pegelspitzen zu „kappen“
(„limiting“) oder den
Unterschiedzwischen lauten und leisen Stellen zu verringern
(„Kompression“). Limiting ist nichts anderes als
eine extrema
Kompression, die aber erst bei hehen Pegeln einsetzt.
Unser
erster und einfachster Ansatz
war, der Digitalaufnahme eine analoge Magnetbandaufnahme
voranzustellen. Ein alter Yamaha-4-Spur-Cassettenrecorder war schon
vor Jahren billig auf dem Flohmarkt erstanden worden. Je eine Spur
für Gitarre und Bass, die anderen beiden fürs
Overheadmicro des
Schlagzeugs. Die Basedrum wird über die Raum-PA
verstärkt, so daß
sie auf dem Overheadmicro ausreichend mitaufgenommen wird. Diese vier
Spuren werden wir gehabt auf einem Rechner mit zwei Soundkarten
digitalisiert, der Gesang kommt anschließend als Overdub dazu.
Die
Ergebnisse dieser Versuche sind auf
der Downloadseite unter „Demo 09“ zu
höhren.
Das
Bandrauschen lässt sich relativ
problemlos am Rechner entfernen, die Qualität ist nicht
berauschend
aber schon mal ein gewisser Fortschritt, da der Gewinn durch die
Verzerrungsfreie Vollaussteuerung des A/D-Wandlers die Verluste durch
die Bandaufnahme überwiegt.
Das
Hauptproblem dieser Aufnahmetechnik
stellt – neben dem Wunsch nach besserer Qualität
– die
Beschränkung auf vier Spuren dar.
Der
nächste Schritt ist folgerichtig
8-Spur Digitalaufnahmetechnik mit
vorgeschalteten Kompressoren
Ausgangspunkt
ist
ein altes P III-Notebook mit einer USB2-PC-Card mit 4 ports.
An
dieser hängen
vier Behringer UCA 202
USB-Soundkarten. Diese sind billig (z.Z. 29 Euro pro Stück),
frei
von Schnickschnack (2 Eingänge, 2 Ausgänge, ein
Kopfhöhrerausgang),
laufen ohne aufwändige Treiber mit geringer Systemlast unter
Win98,
arbeiten absolut synchron und sind in Sachen Rauschen, Dynamik und
Soundqualität deutlich besser als eine Standartsoundkarte.
Soweit
sind wir bei Kosten von rund 135 Euro. Verglichen mit den
Preisen für 8-Spurkarten sind wir soweit also sehr
günstig
davongekommen, was die Anschaffung von Kompressoren für alle
acht
Kanäle erlaubte.
Die
Wahl fiel hier auf die schon etwas betagten Behringer
Multicom, 4-kanalige Kompressoren – etwas
eingeschränkt in den
Einstellungsmöglichkeiten, aber für unsere Zwecke
allemal
ausreichend und auf Ebay für 30-50 Euro erhältlich.
Im Aufnahmealltag hat der Einsatz von Hardwarekompressoren vor der
Soundkarte auch noch den Vorteil, daß man sich nicht mehr gar
so
akribisch um die richtigen Aufnahmepegel kümmern
muß. Schließlich
hat man niemanden dabei, der sich nur um die Aufnahme kümmert
und
sollte sich auch noch ein wenig auf das eigene Spiel konzentrieren.
Als
Mikrovorverstärker dient ein altes Aria Pro II-
Mischpult. Ein 16-Kanalpult der billigen Sorte aus den 80ern, das
aber kaum rauscht und vor allem pro Kanal einen Ausgang (nach Gain
und EQ!) bietet. Nebenbei stellt das Teil einen brauchbaren
Kopfhöhrerausgang für Overdubs zur Verfügung
(der Ausgang der
UCA-Soundkarten ist dafür zu leise!).
Soweit
die Aufnahmetechnik. Fehlen noch die Mikrophone.
Das
Problem:
Übersprechen und Raumklang. Die Lösung:
Greenzflächenmikrophone.
Je mehr Kanäle zur Verfügung stehen, desto deutlicher
tritt das
Problem der Kanaltrennung zu Tage. D.h., es macht wenig Sinn jedem
einzelnen Instument einen Kanal zuzuordnen, wenn auf jedem dieser
Kanäle alle Instrumente mehr oder weiniger laut zu
höhren sind.
Wird ein Instrument nachträglich bearbeitet (sagen wir mit
einem
Halleffekt) wird die Bearbeitung durch das Übersprechen auch
auf den
anderen Instrumenten höhrbar. Der Hall, der z.B. im Gesang
notwendig
ist, wird auch auf dem Schlagzeug höhrbar. Das Ergebnis ist
Matsch.
Der Gesang wird bei uns in jedem Fall als Overdub nachträglich
aufgenommen, wenngleich eine Liveaufnahme der drei Instrumente die
Grundlage jeder Aufnahme darstellt.
Aber
auch auf den Instrumenten stellt das Übersprechen ein Problem
dar.
Bei
uns macht schon die Größe des Übungsraums
eine gute
Kanaltrennung nahezu unmöglich: Ein Kellerloch von 12
Quadratmetern.
Der
Bass macht hierbei noch die geringsten Probleme, da er Parallel
zum Micro über den (im Verstärken integrierten)
DI-Ausgang
abgenommen wird.
Auch
Basedrum und Snare lassen sich spätestens auf dem Rechner per
„Noisegate“ recht gut isolieren.
Das
Hauptproblem stellte das gegenseitige Übersprechen von Gitarre
und Overheadmikros des Schlagzeugs dar.
Das Schlagzeug auf der Gitarre sorge für Matsch beim Einsatz
von
Raumeffekten, die Gitarre auf den Overheadspuren wurde unangenehm
klirrig, sobald die Becken mittels Equalizer betont wurden.
Erschwerend
kommt hinzu, daß unser Raum – allen
üblichen
Maßnahmen ihn schalltot zu kriegen zum Trotze–
einfach lausig
klingt (was bei der Größe wohl auch nicht anders zu
erwarten ist).
Das
Ziel ist also sowohl das Übersprechen, als auch den Raumanteil
am Klang möglichst gering zu halten.
Die
Lösung: Grenzflächenmikrophonie
Ein Grenzflächenmikro ist zunächt nicht anderes, als
eine
Mikrophonkapsel mit Kugelcharakteristik, welche bündig in eine
schallharte Fläche eingelassen ist.
Diese
Konstuktion ergibt einen Pegelgewinn beim Direktschall,
während
der Diffusschall mit normalem Pegel aufgezeichnet wird. Anders
ausgedrückt: Der Raumklanganteil (und damit auch weite Teile
des
Übersprechens) wird gegenüber einem normalen Mikro
relativ leiser
aufgenommen.
Das Problem besteht in der Bassabbildung: Damit das
ganze funktioniert, muss die Fläche mindestens den Durchmesser
einer
Halbwelle der aufzunehmenden Frequenz aufweisen. Um tiefe Töne
mit
der relativ richtigen Lautstärke aufzunehmen, wäre
also eine sehr
große Fläche erforderlich.
Grenzfläche
1: Drumoverhead
An der Decke (ziemlich niedrig, ca. 1,90m) über dem Schlagzeug
befindet sich eine Platte von 2,30m x 1,40m. In diese sind im Abstand
von 1,40m zwei Elektret-Kapseln, die eigentlich für die
„Kunstkopf“-Stereophonie gedacht sind eingelassen.
Das
Ergebnis ist erfreulich: Brilliant und klar aber sehr trocken,
deutlich weniger Raumklang und weniger Übersprechen als mit
herkömmlichen Overheadmikros.
Aus
o.g. Gründen sind die tiefen Frequenzen der Toms (insbesondere
der Standtom) zu leise und müssen in der Nachbearbeitung am PC
mittels Equalizer angehoben werden.
Grenzfläche
2: Gitarre
Hier
geht es um die Abnahme von zwei übereinandergestapelten Vox
AC30.
Es wurden also zwei Platten (aus Laminat) in der
Größe eines AC30
zugeschnittenund mit Aluwinkeln versehen, die es erlauben, sie im
Abstand von ca. 10cm vor die Verstärker zu hängen
– und zwar
leicht schräg (also nicht wirklich parallel zur Schallwand) um
die
Ausbildung stehender Wellen zu vermeiden.
Die Mikrokapseln wurden einem 70er-Jahre-Stereomikropfon entnommen.
Solche Teile, wie sie dereinst für heimische
HiFi-Bandmaschinen
üblich waren, sind auf jedem Flohmarkt billig zu haben,
oftmals von
erstaunlicher Qualität und aufgrund ihrer Kugelcharakteristik
für
diesen Zweck bestens geeignet. Der einzige Knackpunkt – der
sich
nur durch Ausprobieren klären lässt – ist,
ob die Kapseln die
hohen Schallpegel vor dem Gitarrenverstärker verzerrungsfrei
vertragen.
Da
mit dem Einbau der Kapseln in die Platte die Mikroposition ein
für
allemal festgelegt wird, sollte man (sofern keine ausreichenden
Erfahrungen mit der Mikrophonierung des Verstärkers vorhanden
sind)
zunächst mit einem normalen Mikro ein paar Versuche
durchführen.
Da
das Grenzflächenmikro möglichst nur von vorne (vom
Verstärker)
und möglichst wenig von der Rückseite
(Übersprechen der anderen
Instrumente) aufnehmen soll und gleichzeitig der Verstärker
gegenüber den anderen Mikros abgeschirmt werden soll
(schließlich
will man Amps wie den Vox aus Soundgründen bei der Aufnahme
nicht
allzu leise machen), wird die Rückseite der Platten mit Stoff
bezogen und großzügig wattiert.
Vergleichsaufnahmen mit dem so entstandenen Grenzflächenmikro
und
einem MD421 ergaben im Mitten/Höhen-Bereich durchaus
vergleichbare
Ergebnisse. Im Bassbereich fällt die
Grenzflächenaufnahme
erwartungsgemäß deutlich dünner aus. Dies
stellt bei der Gitarre
ohnehin kein Problem dar. Im Interesse eines transparenten Bandsounds
mit möglichst wenig Matsch ist es üblich und ratsam
die Gitarre am
unteren Ende ihres Frequenzspektrumszu beschneiden (wenn der
Gitarrist gerade Bier hohlen ist).
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